Unsere-Ihre-Deine-Eure-Meine Stadtbibliothek wird 135 Jahre

Diesen Geburtstag möchten wir für eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit nutzen und den geneigten Leser durch acht Standorte, fünf verschiedene Namen und fünf Staatsformen führen.

Alles begann mit der Gründung der Großröhrsdorfer Volksbücherei am 01.07.1886, welche in einem Raum der Praßerschule untergebracht wurde und mit rund 200 Büchern ihren Dienst aufnahm. Das Entleihen der Bücher war zur damaligen Zeit im Deutschen Kaiserreich an ein Lesegeld gekoppelt, welches in der Folge für den Erwerb von neuen Büchern verwendet wurde. Das Interesse am Lesen und Leihen von Büchern stieg auch zu Zeiten der Weimarer Republik stetig und so wuchs der Bestand zusehends (unterstützt von Schenkungen, Spenden und aus staatlichen Zuwendungen) auf 3.000 Bücher bis zum Jahr 1937.

Im nun folgenden traurigen Kapitel unserer Geschichte spielte die Volksbücherei vermutlich keine so große Rolle, Aufzeichnungen über die Kriegsjahre im Deutschen Reich sind nur sehr spärlich vorhanden.


Umso mehr werden sich die Großröhrsdorfer Bürger gefreut haben, als der frühere Büchereiverwalter Martin Voigt nach Kriegsende 127 gerettete Bücher an den Bürgermeister übergeben konnte.

Die Bücherei wurde neu aufgebaut, jetzt am zweiten Standort „Agnesheim“ und bereits 1947 haben die Einwohner von Großröhrsdorf 4.777 Bücher entliehen. Über die Zeit der Besatzungsjahre ist wenig bekannt. Die jetzt Gemeindebücherei genannte Bibliothek wurde vermutlich ehrenamtlich betrieben und konnte durch Spenden und Schenkungen ihren Bestand weiter ausbauen.

Die Wandlung zur Volksbibliothek in den frühen Jahren der DDR hin zur Zentralbibliothek (1966) wurde von weiteren Domizilwechseln begleitet. 1951 bewohnte die Bücherei drei kleine Räume auf der Brauereistraße 2 mit einem zusätzlichen Leseraum (Gebäude nicht mehr vorhanden). Doch bereits zwei Jahre später stand ein neuerlicher Umzug ins Haus. Der Rat der Stadt Großröhrsdorf konnte der Bibliothek ab August 1953 zwei große Räume im ersten Obergeschoss des Rathauses zur Verfügung stellen, wo sie dann auch bis zum Jahr 1968 verblieb. Schließlich reichte auch hier der Platz nicht mehr aus und nach 15 Jahren Rathaus zog die Bücherei im Gebäude Rathausstraße 15 (ehem. AOK) ein. Verbunden mit diesem Umzug ergab sich mit der Freihandausleihe eine große Veränderung für die Leser. Nun konnten sie die Bücher eigenhändig aus dem Regal nehmen, ohne jemanden zu fragen.

Der Osten Deutschlands wurde in den kommenden Jahren weiter nach sozialistischem Vorbild geformt, was sich auch häufig in der Literatur widerspiegelte. Zur Ausleihe standen aber auch z.B. Werke der Weltliteratur, der Antike, der Renaissance oder der französischen Literatur.

In Aufzeichnungen zum 100. Geburtstag der Stadtbibliothek 1986 ist vermerkt, dass dem Nutzer (2.130 angemeldete Leser) 18.000 Bücher, 1.600 Tonträger und verschiedene Zeitschriften zur Verfügung standen. Vier Damen arbeiteten auf drei Planstellen an der Versorgung der Leser mit neuen Büchern, an Beratung und Ausleihe nach der staatlichen Auflage des Volkswirtschaftsplanes.

Bis sich dann wieder alles änderte, das Blatt sich quasi „wendete“ und sich die Stadtbibliothek Großröhrsdorf in der Bundesrepublik wieder fand. Zur freiwilligen Aufgabe der Stadt wurde die Bücherei nun nach der Wende und dieser Aufgabe haben sich unsere Stadträte und Bürgermeister bis heute angenommen. Als Träger stellte und stellt die Stadt Großröhrsdorf beachtliche finanzielle Mittel für den Betrieb der Bibliothek zur Verfügung. Zwischen den Jahren 1945 und 2015 stand der gesamte Buchbestand für den Bürger unentgeltlich bereit, seit Februar 2015 sind nun wieder moderate Benutzungsgebühren zu entrichten.
Ab Sommer 1991 konnten die Leser ihre Medien für vier weitere Jahre in der „Linde“ ausleihen bis schließlich im Sommer 1995, nach dem Umbau der Kulturfabrik die Schulstraße 2 das neue Zuhause für die 16.700 Medien wurde. Aktuell nutzen 774 Leser aller Altersgruppen die Möglichkeit, aus Büchern, Hörbüchern, Musik-CDs, Zeitschriften, DVDs und Videospielen auszuwählen.

Es ist viel geschehen in 135 Jahren Großröhrsdorfer Bibliotheksgeschichte. Im Wandel der Zeiten wurde modernisiert und technisch aufgerüstet. So verschwanden beispielsweise 1993 die Karteikarten und die Leseausweise aus Papier. Computer begannen zu „piepsen“ und seit 2016 steht dem Leser auch ein breites Spektrum an Medien digital in der Onleihe zur Verfügung.

Sieben Umzüge musste die Bibliothek in den 135 Jahren überstehen: aus der Praßerschule (1886-1947) in das Agnesheim (1947-1951), dann in die Brauereistraße 2 (1951-1953), von dort in das Rathaus (1953-1968), danach in das AOK-Gebäude (1968-1991), dann in die Linde (1991-1995), weiter in die Kulturfabrik (1. OG Links bis 2009) und im Sommer 2009 auf die rechte Seite im 1. OG. Dafür verantwortlich waren einerseits Platzmangel und andererseits Rückübertragungsansprüche nach 1990.
Viele dankbare Leser, Familien, Kindergartengruppen und Schulklassen nutzten und nutzen (bald geht es wieder los!) auch gern die vielfältigen Veranstaltungsangebote Unserer-Ihrer-Deiner-Eurer-Meiner Stadtbibliothek. Die Mitarbeiterinnen der Stadtbibliothek sind stolz auf dieses 135-jährige Stück Großröhrsdorfer Stadtgeschichte und freuen sich auch in den kommenden Jahren auf viele weitere neugierige Leser, gute Bücher und kommende Herausforderungen.

Stadtverwaltung Großröhrsdorf   Rathausplatz 1   01900  Großröhrsdorf